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Kinderkunst für den Korber Kopf


Waiblinger Kreiszeitung: Sebastian Striebich, vom 10.02.2014
 

Bunte Ahnenforschung: Viertklässler der Salier-Grundschule basteln Holzskulpturen von mittelalterlichen Salier-Regenten

Waiblingen. Auf dem Korber Kopf versammelt sich bald adlige Gesellschaft: von Konrad II. bis Heinrich V., von Agnes von Poitou bis zur Königstochter Mathilde. Die hölzernen Figuren historischer Vertreter der Salierdynastie entstehen gerade an der Salier-Grundschule. Sie sind der Beitrag von Viertklässlern zur Kunstausstellung „Köpfe am Korber Kopf“.

Justyn (10), Elisa, Frank und Melanie (alle 9) stehen um einen Tisch herum, tauchen ihre Pinsel in Farbe, besprechen den nächsten Schritt. In ihrer Mitte liegt eine Holzlatte, die schmale Silhouette eines Mannes, ein Stückchen kleiner als die Schüler, am Rumpf gespiegelt, an beiden Enden ein Kopf. Die Kinder – der ein oder andere Farbklecks ist im Laufe des Vormittags auf ihrer Arbeitskleidung gelandet – haben die Figur ausgesägt, grundiert und mit wasserfester Farbe rotbraune Kleidung gemalt, dazu schwarze Locken. Der eine Kopf hat die Augen geschlossen, der andere wacht. Sein Name: Hermann II., Herzog von Schwaben und dem Elsass. Er war der Schwiegervater des Ehemanns von Salier-Stammmutter Gisela und von 997 bis 1003 nach Christus in Amt und Würden. Die Kinder haben ihn der Abbildung einer Steinskulptur nachempfunden. „Da hat er auch Locken“, erklärt Melanie.

Ein Jahr lang werden die Kunstwerke auf dem Korber Kopf ausgestellt

Die mehr als 90 Schüler nutzen die Projektwoche an der Saliergrundschule dazu, an ihren Kunstwerken zu arbeiten. Die sollen ab Mai ein Jahr lang auf dem Korber Kopf zu sehen sein – neben gestandenen Künstlern, bei der achten Auflage der „Köpfe am Korber Kopf“. „Das ist ein erhebendes Gefühl für die Kinder“, erzählt Marie-Luise Leifheit, die Klassenlehrerin der 4 d. Insgesamt 24 bunte Holzsalier, die dann auf eine Rohrkonstruktion gefädelt werden, zimmern die Viertklässler. Die Adligen haben die Kinder aus einem Salierstammbaum ausgesucht, den ihnen Marie-Luise Leifheit mitgebracht hat.

Die Lehrerin ist die Initiatorin des diesjährigen Projekts. „Ich habe festgestellt, dass kaum jemand noch weiß, warum die Salierschule eigentlich Salierschule heißt“, erzählt Marie-Luise Leifheit. Also habe sie den Entschluss gefasst, den Grundschulkindern die Geschichte der Schulnamenspaten näherzubringen und das Leben im Mittelalter gleich mit. Bevor in den Klassenzimmern gewerkelt wird, tanzen und singen die Schüler deshalb zu mittelalterlicher Musik. Muss die wasserfeste Farbe an den Skulpturen trocknen, werden in der Wartezeit Arbeitsblätter zum dunklen Zeitalter ausgefüllt. Die Kinder lernen Mode, Alltag und Persönlichkeiten längst vergangener Tage kennen, erleben, wie es ist, in einer Werkstatt zusammenzuarbeiten, und sind merklich motiviert – so abwechslungsreich und kurzweilig ist Schule schließlich nicht immer.

Auch etwas Besonderes ist, dass Eltern und Verwandte mithelfen dürfen. Ein Vater hat mit einer speziellen Schere beim Ausschneiden der Kronen für die hölzernen Salier-Regenten geholfen, drei Opas waren dabei, als gesägt und grundiert wurde, Mamas und Papas stehen den kleinen Künstlern zur Seite, passen auf, dass nichts passiert, geben Tipps. Michael Schork, der Vater von Herzog-Gestalterin Melanie, findet das Projekt klasse: „Ich hatte Zeit, also hab’ ich mitgeholfen und die Jungs hier in Zaum gehalten.“ Seine Tochter habe zu Hause schon stolz von der Teilnahme an der Kunstausstellung berichtet.

Am Basteltisch herrscht Demokratie

Dass bei der Gestaltung der Skulpturen die Meinungen auch mal auseinandergehen, davon können Ruzenia, Domenik, Jusuf (alle 9) und Tolga (10) berichten. Sie sind für Hermann III. zuständig. Ein kleiner Zwist ist unter den Kids entstanden, als es um die Frage ging, ob der Adlige einen Vollbart oder nur einen Schnauzer bekommt. „Wir haben dann einfach abgestimmt, jetzt kriegt er nur einen kleinen Bart“, erzählt Ruzenia. Was das demokratische Miteinander angeht, haben die Salierkids das Mittelalter offensichtlich hinter sich gelassen.