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Jagd auf einen fiktiven Azubi-Vertrag


Svetlana (15) wird beim Bewerbungsgespräch zu ihren Stärken und Schwächen befragt. Foto: ZVW

Waiblinger Kreiszeitung:  Sebastian Striebich, vom 22.01.2014

Schüler der Salier-Werkrealschule proben beim „Jobclub“-Planspiel den Einstieg ins Berufsleben

Waiblingen. Ein bisschen aufgeregt ist die 15-jährige Svetlana schon, als sie der Personalerin gegenübersitzt. Beim Planspiel der Schulsozialarbeit der Salier-Werkrealschule hat sie sich fiktiv auf eine Azubi-Stelle als Steuerfachangestellte beworben. Die Schüler zweier neunter Klassen lassen sich beim „Jobclub“ beraten und spielen den Ernstfall.

Die meisten Schüler der Salier-Werkrealschule haben sich fein herausgeputzt: Jackets, feine Blusen, Krawatten – im Schulalltag geht’s da deutlich lässiger zu. Doch heute wird im dritten Stockwerk der Waiblinger Volksbank-Filiale der Ernstfall geprobt. Ein Bewerbungsgespräch mit Personalern echter Firmen aus der Umgebung: Stihl, Porsche, AOK. Das Ziel der Jugendlichen ist es, einen Ausbildungsvertrag zu ergattern. Die Personalchefs sind angehalten, die Gespräche so streng wie üblich und so realistisch wie möglich zu gestalten.

„Sonst nützt es den Schülern ja nichts“, sagt Dietmar Höflich, Sozialarbeiter am Salier-Schulzentrum. „Das ist ein Training mit echten Profis, die täglich mit Azubis zu tun haben.“ Die offiziell anmutende, fremde Atmosphäre in den Räumen der Bank trägt zur Ernsthaftigkeit des Planspiels bei, findet er. Die Jugendlichen sollen einen Eindruck bekommen, wie sie sich bei Bewerbungsgesprächen am besten verhalten oder wie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt stehen. Auch von der Berufsberatung ist jemand im Haus, ein Eignungstest ist möglich und an einer Computerstation können sich die Schüler über verschiedene Berufe informieren.

Für den Industriemechaniker die Mathe-Note aufbessern

Der 16-jährige Felix hat bereits zwei fiktive Bewerbungsgespräche hinter sich gebracht und erste Schlüsse fürs echte Leben gezogen: Er muss seine Mathe-Note bis zum Abschlusszeugnis nach dem kommenden Schuljahr noch verbessern, wenn er Industriemechaniker werden will. „Es hat Spaß gemacht. Ich weiß jetzt, was ich besser machen muss, damit ich an so einen Job rankomme“, erzählt er. Vorbereitet hat er sich auf die Gespräche, indem er Informationen zu Werkzeugen und Maschinen gesammelt hat, damit er auch auf Fachfragen kompetente Antworten geben konnte. Die Frage, wie es nach der Schulzeit für ihn weitergeht, sei ein großes Thema: „Das bestimmt meine ganze Zukunft.“

Seine Klassenlehrerin, Dorothee Fritsch, ist zufrieden mit dem Engagement ihrer Schützlinge aus der 9b. „Sie haben sich fest vorgenommen, ihre Chance zu nutzen“, sagt sie. Der Übergang ins Berufsleben, aber auch die Option, weiterführende Schulen zu besuchen, seien ständig Thema in der Klasse. „Viele sind noch unsicher, was sie später machen wollen“, so die Lehrerin, manche gar orientierungslos. Kein Wunder, einige Schüler sind erst 14 Jahre alt. An der Salier-Werkrealschule werde indes einiges getan, um ihnen weiterzuhelfen: Beratungsgespräche finden bereits in der achten Klasse statt, neben dem „Jobclub“-Planspiel gibt’s eine Berufsmesse, das Projekt mit den Bildungspaten und vieles mehr zum Thema.

Azubi: „Unpünktlichkeit geht gar nicht“

Die 15-jährige Arlinda sitzt gerade Viktoria Schrimpf von der AOK gegenüber. Das Mädchen hat sich für ein fiktives Freiwilliges Soziales Jahr beworben und konnte mit ihrer flüssigen Artikulation und einer sozialen Einstellung punkten. „Dein Zeugnis sieht gut aus. Mit den Noten würde ich mir überlegen, ob ich nicht die Schule weitermache.“ Arlinda nickt. „Das überleg’ ich mir.“ Den Vertrag für das Soziale Jahr hätte sie von Viktoria Schrimpf bekommen.

Dann gibt’s noch etwas Feedback von Till Bernadzik-Jacobi, der ebenfalls im Raum anwesend ist. Er ist schon einen Schritt weiter als Arlinda, Svetlana, Felix und die anderen – er ist Auszubildender bei der Krankenkasse. „Das war ein sehr gutes Gespräch“, lobt er. Arlinda sei sehr ehrlich gewesen – vielleicht ein bisschen zu ehrlich: „Du solltest auf keinen Fall erwähnen, dass du unpünktlich bist. Und wenn du es wirklich bist, solltest du das abstellen. Unpünktlichkeit geht gar nicht.“ Ansonsten sei es hilfreich, ein, zwei Fragen zum Betrieb zu stellen und so Interesse zu bekunden.

Nach den so real erscheinenden Bewerbungsgesprächen in fremder Umgebung haben die Schüler einen ersten Eindruck bekommen. Das Training habe ihnen weitergeholfen, sagen viele. Und wenn es sie nur zum Entschluss gebracht hat, die Mathe-Note aufzupolieren.